Stoffwechselregulation
Die katabolen (abbauenden) und anabolen (aufbauenden) Stoffwechsel-prozesse befinden sich im gesunden Körper im Gleichgewicht. Es wird ständig abgebaut und ebenso ständig wieder aufgebaut. All diese Prozesse unterliegen der Steuerung durch das endokrine System - die Hormone. Vereinfacht ausgedrückt gibt es Hormone, die katabol wirken und es gibt Hormone, die anabol wirken. Um permanenten Abbau oder permanenten Aufbau zu verhindern, unterliegen die Hormonspiegel notwendig einer Regulation[2] . Z.B. bewirkt ein hoher Spiegel an anabolen Hormonen auch einen hohen Spiegel an katabolen Hormonen, da ansonsten eine "anabole Entgleisung" die Folge wäre.

Was bedeutet das praktisch?
Im Falle des Kohlenhydratessers haben wir mindestens 5mal am Tag erhöhte Insulinspiegel, verursacht durch die Kohlenhydrate in den Mahlzeiten (Frühstück, 2. Frühstück, Mittagessen, Kaffeestunde, Abendessen, ohne die Snacks zwischendurch). Eine der vielen Wirkungen des Insulins habe ich hier und hier schon ausführlicher beschrieben, weil das aber so wichtig ist, will ich es hier noch einmal wiederholen:

Insulin unterdrückt die Fettverbrennung und
aktiviert die Fetteinlagerung!

Das alleine ist schon nicht besonders schön.

Darüber hinaus ist Insulin aber vor allem ein anaboles Hormon, beim KH-Esser ist sein Spiegel fast permanent deutlich erhöht. Das zieht die Erhöhung entsprechender Mengen an katabolen Hormonen nach sich: das sind die Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin.

Der KH-Esser steht also ständig unter einem hormonal bedingten Stress! 

Das kann man schon bei Lutz [1] nachlesen, neuere Forschungen bestätigen seine Ansichten hierzu, siehe auch hier. Unter LC sinkt der Insulinspiegel und mit ihm der Level der genannten Stresshormone. Das ist eine der besonders eine der besonders positiven Wirkungen einer kohlenhydratarmen Ernährung: der Stress verschwindet, man wird ruhiger, gelassener.

Wachstumshormon
Aber das ist nicht alles: die Erhöhung des Insulins geht auf Kosten eines anderen, sehr wichtigen Hormons, des Wachstumshormons, auch STH ("Somatotropes Hormon" oder HGH ("Human Growth Hormone") genannt. Ein Zuviel an Insulin unterdrückt STH. Zu den anabolen Hormonen, die durch ein Zuviel an Insulin ebenfalls unterdrückt werden, gehört das Testosteron.
STH ist von entscheidender Wichtigkeit für den gesamten Organismus. Es ist nicht nur während der Wachstumsphase wichtig, sondern insbesondere auch in den späteren Jahren. STH ist tatsächlich eine Art von Jungbrunnen: unter zuwenig STH leidet der gesamte Körper, insbesondere die Haut, die Haare (verfrühter Haarausfall) und die Nägel, das Bindegewebe, die Knochen (auch die Zähne), der Knorpel und damit auch die Gelenke, und nicht zuletzt auch die Libido. Seit vielen Jahren ist es möglich, sich für sehr viel Geld STH spritzen zu lassen, beliebt z.B. bei millionenschweren Hollywoodstars, aber auch bei Athleten.
Wenn viel Insulin im Blut ist, dann sinkt der STH-Spiegel, um die anabole Entgleisung zu verhindern. Die STH-Produktion wird angekurbelt, sobald der Insulinspiegel zurückgeht. STH und auch Testosteron werden während der Nachtstunden im Schlaf produziert. Die höheren Spiegel an Testosteron und STH machen sich bei schon etwas älteren Männern u.a. bemerkbar durch wieder auftretende morgendliche Erektionen - wie in der Jugend.  

Sinkt der Insulinspiegel (durch KH-Reduktion), dann kann STH wieder in den erforderlichen Mengen vom Körper produziert werden.

Mit genügend STH im Blut werden die Knochen größer  (in der Wachstumsphase) und fester, der Gelenkknorpel verbessert seine Qualität, die Haut und Schleimhäute werden dicker, Hornhaut und Hühneraugen schwinden, die Hautoberfläche wird (wieder) glatter, das Unterhautfettgewebe nimmt zu, und das ist gut, weil dessen langsames Schwinden die bekannten Alterserscheinungen der Haut verursacht, das Bindegewebe wird wieder fester und altersabhängig verbessern sich sogar Krampfadern.
Und noch etwas schönes, nicht nur für die Damen: die Figur bleibt länger jung, die Brüste fester bis ins Alter! Wie gesagt: ein Jungbrunnen!

Schilddrüse
Nach den Gesetzen der Regulation[2] muss die Schilddrüse bei Anwesenheit von Insulin mehr Schilddrüsenhormone produzieren. Da sie dadurch beim Kohlenhydratesser dauerhaft überlastet wird, kommt es irgendwann dazu, dass die Produktion nachlässt und die Schilddrüse wächst, um den erhöhten Bedarf befriedigen zu können. Das wird dann i.d.R. von manchen Ärzten als Schilddrüsenunterfunktion behandelt und entsprechend therapiert, nämlich durch Verabreichung von Thyroxin. 

Die eigentliche Ursache ist aber die aufgrund zu hohen KH-Konsums verschobene Hormonlage. Es besteht daher die Möglichkeit, dass eine vergrößerte Schilddrüse zur Normalgröße zurückkehrt, wenn der KH-Konsum wie hier beschrieben gesenkt wird. 

Lutz schreibt hierzu lapidar: "Die Schilddrüse beruhigt sich...".

Es kann auch sein, dass unter LCHF die Schilddrüse ihre Grösse behält,   fT3 und fT4 aber soweit absinken, dass manche Ärzte das mit einer echten Unterfunktion verwechseln, insbesondere dann, wenn man sich unterkalorisch ernährt. Der Körper liebt es nicht, Fett zu verlieren, die wertvolle Substanz, die einst das Überleben in Hungerszeiten ermöglichte. Das soll erhalten bleiben! T3 und T4 treiben bekanntlich den Stoffwechsel an, daher werden die beiden jetzt heruntergeregelt, um den Fettverlust in Grenzen zu halten. Bie einer "echten" Unterfunktion geschieht das durch die Erhöhung des TSH-Spiegels, nicht aber hier. Sollten sich also fT3 und/oder fT4 ohne erhöhten TSH-Spiegel an der Untergrenze befinden, haben wir es wahrscheinlich mit einer normal funktionierenden Schilddrüse unter LCHF zu tun.
Das Problem ist jetzt nur, einen Arzt zu finden, der um den Zusammenhang LCHF und Schilddrüsenhormone Bescheid weiß und nicht einfach nur Thyroxin verschreibt...

Quellen:
1. Dr. Wolfgang Lutz: "Leben ohne Brot", Systemed-Verlag, 15. Auflage 2004

2. Prof. Dr. Jürgen Schole und Wolfgang Lutz: "Regulationskrankheiten", Enke Copythek 1988