"Der Ersatz von gesättigten Fetten durch mehrfach ungesättigte führte generell zu einer signifikanten Erhöhung der Todesraten (Gesamt, Kreislauf, Koronar)".

So lautet ein Ergebnis einer in 2013 im ehrwürdigen British Medical Journal erschienenen Studie[1], dass die Forscher dann zu dieser, sehr weitreichenden Schlußfolgerung veranlasst hat:
"die Ergebnisse dieser Studie sollten weltweite Berücksichtigung finden, was die üblichen, offiziellen Empfehlungen angeht, gesättigte Fette (SFA) durch mehrfach ungesättigte Fette (PUFA) zu ersetzen!
"

Das bedeutet im Klartext:
wer angenommen hatte, durch Verwendung "herzgesunder Pflanzenöle" und Margarinen anstelle von Butter etwas Gutes für sein Herz zu tun, ist leider nur Werbesprüchen aufgesessen und hat genau genommen eher das Gegenteil bewirkt! 

Der aktuelle Befund stellt die Aussagen der seit Jahrzehnten laufenden Kampagne der einschlägigen Industrien und Institutionen zu diesem Thema in Frage. Diese fand sogar Unterstützung u.a. durch die DGE, die festgestellt hat "Mehrfach ungesättigte Fettsäuren senken das Risiko für koronare Herzkrankheiten" (siehe hier). Die DGE stützt ihre Empfehlung auf eine Studie von Mozaffarian et al aus 2010.

In den USA empfiehlt die USDA für die Schulernährungsprogramme, dass der Gehalt an gesättigten Fetten kleiner 10% sein sollte.  Das gleiche verkündete 2009 auch die "American Heart Association" (AHA). 

Wer den einschlägigen Empfehlungen Glauben schenkt, und etwas für seine Gesundheit tun will, der kauft keine Butter, sondern Margarine und verwendet anstelle der mit gesättigten Fetten voll gepackten Creme Fraiche die "leichten, gesunden Pflanzenöle". Gerichte haben fettarm, eben "leicht" zu sein, und wenn schon Fett, dann doch bitte die gesunden  PUFAs, und schon gar nichts tierisches.

Und natürlich hat die Industrie auch die passenden Studien parat, die die positiven Wirkungen der Pflanzenöle belegen sollen. Dort heisst es beispielsweise:
"Studien zeigen, dass ein Austausch von gesättigten Fettsäuren durch mehrfach ungesättigte Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren signifikant die koronare Herzgesundheit stärkt"
,
und ausserdem 
"Inzwischen gibt es eine gute Beweislage, dass eine erhöhte Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren die Herzkreislauf-Gesundheit positiv beeinflussen kann, und zwar aufgrund ihrer günstigen Wirkung auf den Cholesterinspiegel"  (Beide Zitate von der Becel-Website, ähnlich äussert sich auch die DGE...).

Wie konnte die erwähnte Studie nun zu einem völlig anderen Ergebnis kommen?

Einige Forscher in den USA, u.a. vom NIH, hatten sich die "Sydney Diet Heart Study" vorgenommen. Diese Studie war in der Zeit von 1966-1973 durchgeführt worden, die Ergebnisse wurden 1978 veröffentlicht, und die passten genau ins Bild. Denn tatsächlich hatten die PUFAs den Cholesterinspiegel erwartungsgemäß gesenkt. "Erwartungsgemäß" deshalb, weil es aus den 50er Jahren Arbeiten [2,3] gab, die gezeigt hatten, dass PUFAs das Cholesterin senken und SFAs das Cholesterin erhöhen.

Das Hauptanliegen der Studie war, das zu überprüfen und zu erhärten. Den Teilnehmern wurden daher die gesättigten Fette wie Butter etc genommen und durch Omega 6 -PUFAs (hier war es Distelöl, das zu 75% aus Omega-6 (Linolsäure) besteht) ersetzt.

Leider waren die Daten damals nur hinsichtlich der Cholesterinsenkung analysiert worden. Die allgemeine Sterblichkeit sowie koronare und kreislaufbedingte Todesursachen fanden keine Beachtung, denn man hatte ja, was man wollte!

Das hat man jetzt nachgeholt: die Daten von 1966-73 wurden von Lochkarten und Magnetbändern restauriert und mit modernen statistischen Methoden analysiert.

Das Ergebnis der neuen Auswertung in Kürze:

  • Der Ersatz von SFA durch PUFA führte generell zu einer signifikanten Erhöhung der Todesraten (Gesamt, Kreislauf, Koronar).
  • Eine Erhöhung der PUFA um nur 5% der Kalorien führte bereits zu
    einer Steigerung der allgemeinen Todesrate um 29%, der auf Kreislauferkrankungen zurückgehenden sogar um 37 %.

Die Schlussfolgerung der Forscher: die Ergebnisse dieser Studie sollten weltweite Berücksichtigung finden, was die Empfehlungen angeht, SFA durch PUFA zu ersetzen. Zu diesem Thema gibt es auch ein Interview von Ron Rosedale mit dem Initiator der neune Auswertung, Joe Hibbeln, nachzulesen hier.

Ich finde es bemerkenswert, dass es dazu in der Öffentlichkeit keine Reaktionen gab, auch nicht von den offziellen Stellen, wie z.B. DGE, DDG, Lipid-Liga... )

Und besonders bemerkenswert erscheint mir, dass das alles ja gar nicht so neu ist, denn schon 1965 schrieben britische Forscher im British Medical Journal (4) in einer Studie, in der die Wirkung von 80g Corn Oil (= Maisöl)/d mit Olivenöl oder keiner Maßnahme in der Behandlung von Herzpatienten verglichen wurde: "It is concluded that under the circumstances of this trial corn oil cannot be recommended in the treatment of ischaemic heart disease".

Literatur:

1. Ramsden, C.E.; Zamora, D.; Leelarthaepin, B.; Majchrzak-Hong, S.F.; Faurot, K.R.; Suchindran, C.M.; Ringel, A.; Davis, J.M.; Hibbeln, J.R. "Use of dietary linoleic acid for... ". BMJ 2013, 346, e8707"

2. Kinsell et al.  Dietary modification of serum cholesterol and phospholipid levels.  J Clin. Endocrinol. Metab. 1952;12:909-13

3. Ahrens et al.  Effect on human serum lipids of substituting plant for animal fat in diet.  Proc. Soc. Exp Biol Med. 1954;86:872-8

4. Rose GA, Thomson WB, Williams RT. Corn Oil in Treatment of Ischaemic Heart Disease. Br Med J. 1965;1:1531-1533.