Diabetesmanagement
Eine hochkarätig besetzte 26-köpfige internationale Expertengruppe kommt nach Auswertung der am besten dokumentierten und am wenigsten kontroversen Ergebnisse internationaler Forschungsarbeit zu dem Ergebnis, dass die Reduktion der Kohlenhydrate die 1. Maßnahme im Diabetesmanagement sein sollte

Das ist ua. auch deswegen interessant, weil diese Empfehlung an den einschlägigen Institutionen in Deutschland offenbar spurlos vorübergegangen ist.

Die Arbeit erschien im Januar 2015 in der angesehenen Fachzeitschrift "Nutrition" [1].

Der Stand der Forschung wird in 12 Punkten der Evidenz zusammen gefasst, hier meine Übersetzung:

  1. Hyperglykämie ist das hervorstechende Merkmal von Diabetes. Die KH-Restriktion hat den grössten Effekt auf den Blutzuckerspiegel.
  2. Der Anstieg der Kalorienzufuhr in der Epidemie von Adipositas und Diabetes II ist fast gänzlich auf die gesteigerte Zufuhr von Kohlenhydraten zurückzuführen.
  3. Die positiven Wirkungen der KH-Restriktion stellen sich auch ohne Gewichtsverlust ein.
  4. Wenn auch für die positiven Wirkungen der KH-Restriktion kein Gewichtsverlust erforderlich ist, gibt es dennoch keine bessere Ernährungsmaßnahme zum Gewichtsverlust als KH-Restriktion.
  5. Die Therapietreue bei Type II Diabetikern zur Kohlenhydratrestriktion ist mindestens so gut wie bei irgend einer anderen Maßnahme, und häufig sogar signifikant besser.
  6. Der Ersatz von Kohlenhydraten durch Protein ist vorteilhaft.
  7. Gesamtfett und gesättigte Fette in der Nahrung sind nicht mit einem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen korreliert. 
  8. Gesättigte Fettsäuren im Plasma hängen mehr mit Kohlenhydraten als mit Fetten in der Nahrung zusammen. 
  9. Der beste Marker für mikrovaskulare, und in geringerem Umfang auch für makrovaskulare Komplikationen ist HbA1c.
  10. Die Kohlenhydratrestriktion ist die effektivste Methode (neben Fasten) zur Reduktion der Serum-Triglyceride und zur Erhöhung von HDL.
  11. Die Medikation bei Diabetes II kann mit KH-Restriktion verringert oder sogar ganz eliminiert werden. Bei Typ I wird üblicherweise weniger Insulin benötigt.
  12. Die intensive Verringerung der Blutglukose durch KH-restriktion hat im Vergleich zu den Effekten intensiver pharmakologischer Behandlung keine Nebenwirkungen.

Am Ende wird ein Appell an die offiziellen Stellen für eine offene Diskussion gerichtet.

Als alter Pessimist vermute ich: der wird ungehört verhallen! Zu weitreichend sind die finanziellen Implikationen für die pharmazeutische Industrie und auch für die Ärzte: wer verliert schon gerne Kundschaft!

Übrigens: das wusste man schon vor 100 Jahren, denn bevor die blutzuckersenkenden Medikamente erfunden waren, gab es keine andere Behandlungsmethode als die 6 BE. Das ist doch nicht ohne Ironie... 

Literatur:

1. [1] R. D. Feinman, W. K. Pogozelski, A. Astrup, R. K. Bernstein, E. J. Fine, E. C. Westman, A. Accurso, L. Frassetto, B. A. Gower, S. I. McFarlane, J. V. Nielsen, T. Krarup, L. Saslow, K. S. Roth, M. C. Vernon, J. S. Volek, G. B. Wilshire, A. Dahlqvist, R. Sundberg, A. Childers, K. Morrison, A. H. Manninen, H. M. Dashti, R. J. Wood, J. Wortman, and N. Worm, “Dietary carbohydrate restriction as the first approach in diabetes management: Critical review and evidence base,” Nutrition, vol. 31, no. 1, pp. 1–13, 2015.