Stoffwechsel bei KH-Ernährung

Bevor wir zum Lowcarb-Stoffwechsel kommen, sollten wir zuerst zuerst den Normal-Stoffwechsel näher unter die Lupe nehmen. Einer mittlerweile überholten Lehrmeinung zur Folge soll es drei unverzichtbare Säulen der Ernährung geben, nämlich

  • Kohlenhydrate
  • Eiweiß (Protein) und
  • Fett.

Das ist, wie gesagt, überholt, leider haben das noch nicht alle mitbekommen, besonders die Mediziner und auch die DGE nicht.

Warum überholt?

Der in der Ernährungsphysiologie hier gerne verwendete Begriff für unverzichtbare Bestandteile der Nahrung ist "essentiell". So gibt es z.B. 9 essentielle Aminosäuren, was bedeutet, dass diese mit der Nahrung zugeführt werden müssen, weil der Körper sie nicht selbst herstellen kann. Essentiell sind auch bestimmte Mineralien und die Vitamine.

Fehlen diese, kommt es nach einiger Zeit zu Stoffwechselstörungen und der Ausbildung von Krankheiten. Bei den Fettsäuren sind Omega 3 und Omega 6 essentiell, auch hier sind die Folgen einer Unterversorgung gravierend.

Aber:  essentielle Kohlenhydrate gibt es nicht! [4]

Es gibt kein "Kohlenhydratmangelsyndrom", wie man es von den essentiellen Nahrungsbestandteilen her kennt. Das ist keine neue Erkenntnis, das ist Lehrbuchwissen, z.B. nachzulesen in H. Kaspers Buch "Ernährungsmedizin und Diätetik". Dennoch anscheinend nicht auszurotten.

Welch "wichtige" Rolle den KH im Stoffwechsel zukommt, zeigen die beiden folgenden Grafiken. Das erste Bild zeigt sehr vereinfacht den Energiesstoffwechsel MIT Kohlenhydraten:  

 

Und diese Grafik zeigt den Energiestoffwechsel OHNE Kohlenhydrate (es genügt, den mittleren Weg zu betrachten):

 

(Darstellung nach einem Vortrag von Eric Westman, Duke-University, NC) 

Der einzige Unterschied: wenn KH vorhanden sind, werden sie auch verarbeitet. Das war's. Wir dürfen daraus aber nicht schliessen, dass Kohlenhydrate im Stoffwechsel vernachlässigbar wären: sie werden nicht gebraucht, müssen aber entsorgt werden. Und das schafft Probleme und Krankheiten.
Dennoch oder besser - leider - sind die KH bei den meisten Menschen Hauptbestandteil der täglichen Nahrung, zumeist sind es mehr als 50%. Wir können davon ausgehen, dass eine Reduktion von ca. 300g - 400 g KH täglich auf weniger als 50g KH den Stoffwechsel massiv beeinflusst, und tatsächlich verursacht diese Reduktion tief greifende Umstellungsprozesse in der Anpassungsphase ("Keto-Adaptation"), siehe hier.

Kommentare   

0 # Wega 2016-07-22 15:16
Grosses Lob - sehr sehr gut verständlich erklärt!
Diese Seiten kann und werde ich jedem wärmstens empfehlen, der sich gesund und artgerecht :O)
ernähren möchte.
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0 # Joerg 2017-01-29 17:21
Hallo ich ernähre mich weitestgehend LC nur am Wochenende gönne ich mir mal Brötchen.
Meine Vermutung ist das ich nie richtig in Ketose komme
aber in meinem Körper oft eine Glukoneogenese stattfindet.
Das würde doch stark meine Muskelmasse beanspruchen.
Sehe ich das richtig.
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0 # Jürgen Wildhardt 2017-01-29 22:06
Hallo Jörg,
die erhöhte Gluconeogenese findet nur in der Adaptationsphas e statt. Danach ist sie deutlich geringer als zu Kohlenhydratzei ten, der Muskelerhalt in und nach traningsarmen Zeiten ist wesentlich besser - konsequentes LCHF vorausgesetzt..

VG
Jürgen
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0 # Jakob Jordan 2017-08-19 13:06
Hallo Jörg,
danke erstmal für deine Website und die wirklich fantastisch geschriebenen Analysen, Ausführungen und Ratschläge.
Ich verfolge seit 2 Monate LCHF und mir geht es blendend damit.

Da ich mich heute ganz spontan zu einem 10km Lauf angemeldet habe wollte ich fragen ob du Tips zur Vorbereitung am Tag davor und direkt vor dem Lauf hast (sowohl ernährungstechn isch als auch aufwärmtechnisc h). Ich lese überall nur KH, aber das möchte ich nicht machen, das wurde ja von dir wunderbar widerlegt.

Vllt klappt es noch mit einer Antwort, ansonsten wäre deine Meinung interessant für das nächste mal...

Viele Grüße
Jakob
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0 # Jürgen Wildhardt 2017-08-19 23:48
Hallo Jakob,

für Kurzzeitbelastu ngen, und dazu zähle ich alles, was aus den Glykogenvorräte n heraus bestritten werden kann, also auch ein 10k Lauf, der – sagen wir mal - 45 min dauert. Glykogen hast Du aber für etwa 60 – 90 min!

Der große Vorteil von LCHF – nämlich Fettverbrennung von Anfang an, kein Übergang, keine Mauer, kein „Bonking“ - kommt aber erst voll zum Tragen bei Belastungen, die deutlich länger dauern, also z.B. Marathon und alles, was darüber liegt.

Die Empfehlung aus rein sportlicher Sicht lautet also: Carboloading vor dem Event, Training aber im LCHF-Bereich!

Rein gesundheitlich gesehen kann man aber durchaus anderer Meinung sein, wenn man die Nachteile des glykolytischen Abbauwegs vermeiden will. Damit wird man aber nicht unbedingt gewinnen…

Viel Erfolg und viele Grüße
Jürgen
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0 # Jakob Jordan 2017-08-21 20:21
Danke für die schnelle Antwort. Habe es leider zu spät gelesen. Ich kann ja mal erzählen:
Ich habe die 10km (meine ersten überhaupt) ohne jegliches Carboloading innerhalb von 57:38 netto absolviert :lol: . Habe am Vorabend nur noch Kokosöl zu mir genommen und auf jegliche Booster die sie dort verteilt haben verzichtet. Der Vorteil den du beschreibst war trotzdem ganz klar da. Ich hatte durchgehend Saft. War ziemlich interessant zu beobachten. Ich war zu Anfang sogar zu konservativ. Das sieht man auch an meiner Leistungskurve: https://www.runtastic.com/de/benutzer/268b9bad-ce93-2ac4-fdde-bfdc9c6f95a4/sportaktivitaeten/5999745bda3113b98273fffe?sharing_token=599974c37fa48d23325fc60b
Bei KM 9.0 war meine Leistungsspitze .Krass fand ich wie sie bei dem Event danach die Zuckergetränke und Bananen an fast jedem Stand verteilt haben...naja...
Also danke nochmal für deine Antwort und mach weiter so!
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