Die Blutzucker-Achterbahn
Die Glukosekonzentration im Blut wird vom Körper sehr fein reguliert, und liegt normalerweise bei knapp 5 mMol/l (= 90mg/100ml) - wenn man ihn nicht dabei stört! Das tut der KH-Esser aber, und zwar gewaltig, mindestens 5 mal am Tag, und genau das ist das Problem!
Die 5 mMol/l entsprechen einer Gesamtmenge von 5,4 g (berechnet mit einem Blutvolumen von 6 litern) Glukose, das ist etwa ein kleiner Teelöffel voll.

Man stelle sich das jetzt einmal vor: wir haben einen kleinen Teelöffel Glukose im Blut und essen jetzt einen Teller Spaghetti, vielleicht 200g. Daraus werden ungefähr 100 g Glukose. Das ist fast die 20fache Menge des Normalwerts, und das verursacht jetzt einen gehörigen Blutzuckeranstieg. Hoher Blutzucker ist aber unerwünscht, um nicht zu sagen toxisch (siehe auch Insulinanstieg). 

Es kommt aber noch viel schlimmer:
Rechnen wir weiter: würde man den Empfehlungen der DGE folgen, und tatsächlich 55% der täglich zugeführten Kalorien in Form von Kohlenhydraten zu sich nehmen, dann kommen wir bei einem Konsum von 3.000 kcal täglich (lt. Statistik sind es in Deutschland sogar knapp 3.600kcal!) auf 1.650 kcal nur aus Kohlenhydraten. Und völlig unabhängig davon, in welcher Form die KH aufgenommen wurden, ob Vollkorn, Zucker oder Weißmehl, am Ende wird aus den aufgenommenen KH unweigerlich Glukose, glykämischer Index hin oder her! (der glykämische Index ist ein Mass für die Höhe des Blutzuckeranstiegs nach KH-Zufuhr und wurde einmal als aussagefähige Grösse angesehen. Manche tun das immer noch.

Glukose hat 390 kcal/100g, daher entsprechen die 1.650kcal aus Kohlenhydraten ziemlich genau 423 g Glukose.

Daher jetzt noch einmal die Aufforderung zu versuchen, sich das vorzustellen: wie oben erwähnt, haben wir normal etwa 5,4g Glukose im Blut. Da kommen jetzt Tag für Tag um die 400g hinzu, die umgehend entsorgt werden müssen, das hat jetzt absolute Priorität. Das ist die 80-fache Menge des Normalwerts. Schon erstaunlich, was wir so wegstecken. Nur auf Dauer geht das bekanntlich nicht bei allen Menschen gut.

Warum ist die Glukose so toxisch?
Glukose reagiert mit den körpereigenen Proteinen (das nennt man auch "Glykosilisierung") und verändert deren Eigenschaften, so dass sie ihre Aufgaben u.U. nicht mehr erfüllen können. Messen kann man das anhand der "Verzuckerung" des Hämoglobins, genannt HbA1c-Wert. Er gibt an, wiviel % des Hämoglobins "verzuckert" wurden und dient beim Diabetiker als Maß für den erhöhten Blutzucker über einen längeren Zeitraum. 

Was passiert mit dieser Menge an Glukose?
Etwa 120 g davon gehen an das Gehirn (in Relation zu seiner Grösse ist das Gehirn der stärkste Glukoseverbraucher), ein weiterer mehr oder weniger grosser Teil wird vielleicht durch Muskelarbeit verbraucht - oder auch nicht!

Wer also viel Sport treibt oder körperlich arbeitet, wird die Glukose schnell entsorgen. Das erklärt auch, dass Sportler mit KH-Ernährung besser zurecht kommen als Couch-Potatoes. 

Was übrig bleibt, wird in Fett verwandelt und landet auf den Hüften.

Kommentare   

0 # Wega 2016-07-22 15:16
Grosses Lob - sehr sehr gut verständlich erklärt!
Diese Seiten kann und werde ich jedem wärmstens empfehlen, der sich gesund und artgerecht :O)
ernähren möchte.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
0 # Joerg 2017-01-29 17:21
Hallo ich ernähre mich weitestgehend LC nur am Wochenende gönne ich mir mal Brötchen.
Meine Vermutung ist das ich nie richtig in Ketose komme
aber in meinem Körper oft eine Glukoneogenese stattfindet.
Das würde doch stark meine Muskelmasse beanspruchen.
Sehe ich das richtig.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
0 # Jürgen Wildhardt 2017-01-29 22:06
Hallo Jörg,
die erhöhte Gluconeogenese findet nur in der Adaptationsphas e statt. Danach ist sie deutlich geringer als zu Kohlenhydratzei ten, der Muskelerhalt in und nach traningsarmen Zeiten ist wesentlich besser - konsequentes LCHF vorausgesetzt..

VG
Jürgen
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren