Hypoglykämie (Unterzuckerung)
Sehr häufig ist es so, dass die ausgeschüttete Insulinmenge etwas zu groß geraten ist, was ein zu starkes Absinken des Blutzuckers (Hypoglykämie) bewirkt. Das verursacht jetzt eine Art von "Kurzschluss": der zu geringe Blutzucker ruft blutzuckersteigernde Hormone auf den Plan (das sind übrigens die gleichen, die auch Stress auslösen: Adrenalin, Cortisol u.a.). Eigentlich ist das kein Problem, der Glukosemangel könnte jetzt entweder durch Zugriff auf die Glykogenreserven in der Leber oder aber durch einen natürlichen Prozess behoben werden, der den schönen Namen "Gluconeogenese" trägt. Auf Deutsch heißt das nichts anderes als "Glukoseneubildung" (siehe hier). 

Leider ist aber auch immer noch Insulin anwesend, und das führt jetzt zu der Situation, dass die auf permanente Glukosezufuhr angewiesenen Zellen - vor allem das Gehirn - nach Glukose schreien, die aber nicht geliefert werden kann, weil anwesendes Insulin immer noch die Gluconeogenese unterdrückt. Die Folge sind einige körperliche Symptome, wie intensives Hungergefühl, Zittern der Hände und Knie, Schweißausbrüche usw. In den Griff bekommt man diesen Zustand sehr schnell durch KH-Zufuhr... und das obwohl wir doch gerade etwas gegessen haben. Also greifen wir zur Chipstüte oder zum Schokoriegel und fahren Nachschub ein. Tatsächlich wird der aber gar nicht wirklich benötigt: wir haben ja nur einen durch Unterzuckerung aufgetretenen "Scheinhunger".

Kommentare   

0 # Wega 2016-07-22 15:16
Grosses Lob - sehr sehr gut verständlich erklärt!
Diese Seiten kann und werde ich jedem wärmstens empfehlen, der sich gesund und artgerecht :O)
ernähren möchte.
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0 # Joerg 2017-01-29 17:21
Hallo ich ernähre mich weitestgehend LC nur am Wochenende gönne ich mir mal Brötchen.
Meine Vermutung ist das ich nie richtig in Ketose komme
aber in meinem Körper oft eine Glukoneogenese stattfindet.
Das würde doch stark meine Muskelmasse beanspruchen.
Sehe ich das richtig.
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0 # Jürgen Wildhardt 2017-01-29 22:06
Hallo Jörg,
die erhöhte Gluconeogenese findet nur in der Adaptationsphas e statt. Danach ist sie deutlich geringer als zu Kohlenhydratzei ten, der Muskelerhalt in und nach traningsarmen Zeiten ist wesentlich besser - konsequentes LCHF vorausgesetzt..

VG
Jürgen
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0 # Jakob Jordan 2017-08-19 13:06
Hallo Jörg,
danke erstmal für deine Website und die wirklich fantastisch geschriebenen Analysen, Ausführungen und Ratschläge.
Ich verfolge seit 2 Monate LCHF und mir geht es blendend damit.

Da ich mich heute ganz spontan zu einem 10km Lauf angemeldet habe wollte ich fragen ob du Tips zur Vorbereitung am Tag davor und direkt vor dem Lauf hast (sowohl ernährungstechn isch als auch aufwärmtechnisc h). Ich lese überall nur KH, aber das möchte ich nicht machen, das wurde ja von dir wunderbar widerlegt.

Vllt klappt es noch mit einer Antwort, ansonsten wäre deine Meinung interessant für das nächste mal...

Viele Grüße
Jakob
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0 # Jürgen Wildhardt 2017-08-19 23:48
Hallo Jakob,

für Kurzzeitbelastu ngen, und dazu zähle ich alles, was aus den Glykogenvorräte n heraus bestritten werden kann, also auch ein 10k Lauf, der – sagen wir mal - 45 min dauert. Glykogen hast Du aber für etwa 60 – 90 min!

Der große Vorteil von LCHF – nämlich Fettverbrennung von Anfang an, kein Übergang, keine Mauer, kein „Bonking“ - kommt aber erst voll zum Tragen bei Belastungen, die deutlich länger dauern, also z.B. Marathon und alles, was darüber liegt.

Die Empfehlung aus rein sportlicher Sicht lautet also: Carboloading vor dem Event, Training aber im LCHF-Bereich!

Rein gesundheitlich gesehen kann man aber durchaus anderer Meinung sein, wenn man die Nachteile des glykolytischen Abbauwegs vermeiden will. Damit wird man aber nicht unbedingt gewinnen…

Viel Erfolg und viele Grüße
Jürgen
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0 # Jakob Jordan 2017-08-21 20:21
Danke für die schnelle Antwort. Habe es leider zu spät gelesen. Ich kann ja mal erzählen:
Ich habe die 10km (meine ersten überhaupt) ohne jegliches Carboloading innerhalb von 57:38 netto absolviert :lol: . Habe am Vorabend nur noch Kokosöl zu mir genommen und auf jegliche Booster die sie dort verteilt haben verzichtet. Der Vorteil den du beschreibst war trotzdem ganz klar da. Ich hatte durchgehend Saft. War ziemlich interessant zu beobachten. Ich war zu Anfang sogar zu konservativ. Das sieht man auch an meiner Leistungskurve: https://www.runtastic.com/de/benutzer/268b9bad-ce93-2ac4-fdde-bfdc9c6f95a4/sportaktivitaeten/5999745bda3113b98273fffe?sharing_token=599974c37fa48d23325fc60b
Bei KM 9.0 war meine Leistungsspitze .Krass fand ich wie sie bei dem Event danach die Zuckergetränke und Bananen an fast jedem Stand verteilt haben...naja...
Also danke nochmal für deine Antwort und mach weiter so!
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