Stoffwechsel bei Lowcarb-Ernährung
Eine Lowcarb-Ernährung mit weniger als 50g KH/ Tag führt zu
 einer grundlegenden Änderung der primären Energiequelle für Gehirn und Körper. Beim Kohlenhydratesser basiert die gesamte Energieversorgung auf Glukose, wie wir oben gesehen haben. Jetzt wird nur noch wenig Glukose von aussen geliefert, die primäre Energiequelle ist jetzt Fett.

Die verschiedenen Organe haben unterschiedliche Präferenzen, was die Energieversorgung angeht. So mag das Herz z.B. keine Glukose, seine konstante Leistung ist so wichtig, dass auch beim KH-Esser das Herz seine Energie aus Fettsäuren (FS) bezieht (lieber Diesel als Benzin!).

Umstellung auf Fettverbrennung in der Muskulatur
Die Muskeln können beides, die stellen sich jetzt auf Fettverbrennung um (Lipolyse), was kein Problem darstellt, das können die kleinen Kraftwerke in den Zellen, die Mitochondrien, hervorragend. Und hier haben wir jetzt auch den unmittelbar einleuchtenden Grund, warum diese Ernährungsweise zum Gewichtsverlust führen muß: die Fettvorräte wurden ja für bevorstehende Hungerzeiten angesammelt. Das Fehlen der Glukose simuliert quasi diesen Zustand: wenig Glukose = wenig Insulin. Und wenn der Insulinspiegel niedrig ist, stehen die "Tore" der Fettzellen offen. Der Körper kann jetzt ungehindert als auf seine Fettvorräte zugreifen, und das tut er jetzt auch!

Für das Gehirn Ketone und Glukose
Aber was ist mit dem Gehirn: das sei doch
ein glukoseabhängiges Organ, und benötige min. 120 g Glukose pro Tag, sagt man. Das stimmt insofern, als dass das Gehirn tatsächlich mit Fettsäuren nichts anfangen kann.

Aber die Glukose braucht es gar nicht zwingend, es gibt eine hervor-ragende Alternative: das Gehirn kann sehr gut, genau genommen sogar noch viel besser mit Ketonen versorgt werden, Details dazu siehe unter "Physiologische Ketose". Etwa 80 % des Bedarfs kann durch Ketone gedeckt werden. Die restlichen 20 % werden mit Glukose aus verschiedenen Quellen abgedeckt.

Die Glukose wird selbst gemacht

Im Hungerzustand, also ohne externe Zufuhr von Glukose, wird das Gehirn immer noch mit etwa 80g Glukose pro Tag versorgt: 10-11g aus der Glukosesynthese ausgehend von Keton-Körpern, 35- 40 g aus dem Laktat/Pyruvat-Recycling, 20 g aus Glyzerin aus dem Fettabbau und nur noch 15-20 g aus der Gluconeogenese[5]. 

Der Organismus steht jetzt vor der Aufgabe, die gewohnten Prozesse zum Abbau von Glukose herunterzufahren, und die Prozesse zum Fettabbau zu intensivieren. Diese Anpassung wird auch "Keto-Adaptationsphase" genannt.

Kommentare   

0 # Wega 2016-07-22 15:16
Grosses Lob - sehr sehr gut verständlich erklärt!
Diese Seiten kann und werde ich jedem wärmstens empfehlen, der sich gesund und artgerecht :O)
ernähren möchte.
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0 # Joerg 2017-01-29 17:21
Hallo ich ernähre mich weitestgehend LC nur am Wochenende gönne ich mir mal Brötchen.
Meine Vermutung ist das ich nie richtig in Ketose komme
aber in meinem Körper oft eine Glukoneogenese stattfindet.
Das würde doch stark meine Muskelmasse beanspruchen.
Sehe ich das richtig.
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0 # Jürgen Wildhardt 2017-01-29 22:06
Hallo Jörg,
die erhöhte Gluconeogenese findet nur in der Adaptationsphas e statt. Danach ist sie deutlich geringer als zu Kohlenhydratzei ten, der Muskelerhalt in und nach traningsarmen Zeiten ist wesentlich besser - konsequentes LCHF vorausgesetzt..

VG
Jürgen
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0 # Jakob Jordan 2017-08-19 13:06
Hallo Jörg,
danke erstmal für deine Website und die wirklich fantastisch geschriebenen Analysen, Ausführungen und Ratschläge.
Ich verfolge seit 2 Monate LCHF und mir geht es blendend damit.

Da ich mich heute ganz spontan zu einem 10km Lauf angemeldet habe wollte ich fragen ob du Tips zur Vorbereitung am Tag davor und direkt vor dem Lauf hast (sowohl ernährungstechn isch als auch aufwärmtechnisc h). Ich lese überall nur KH, aber das möchte ich nicht machen, das wurde ja von dir wunderbar widerlegt.

Vllt klappt es noch mit einer Antwort, ansonsten wäre deine Meinung interessant für das nächste mal...

Viele Grüße
Jakob
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0 # Jürgen Wildhardt 2017-08-19 23:48
Hallo Jakob,

für Kurzzeitbelastu ngen, und dazu zähle ich alles, was aus den Glykogenvorräte n heraus bestritten werden kann, also auch ein 10k Lauf, der – sagen wir mal - 45 min dauert. Glykogen hast Du aber für etwa 60 – 90 min!

Der große Vorteil von LCHF – nämlich Fettverbrennung von Anfang an, kein Übergang, keine Mauer, kein „Bonking“ - kommt aber erst voll zum Tragen bei Belastungen, die deutlich länger dauern, also z.B. Marathon und alles, was darüber liegt.

Die Empfehlung aus rein sportlicher Sicht lautet also: Carboloading vor dem Event, Training aber im LCHF-Bereich!

Rein gesundheitlich gesehen kann man aber durchaus anderer Meinung sein, wenn man die Nachteile des glykolytischen Abbauwegs vermeiden will. Damit wird man aber nicht unbedingt gewinnen…

Viel Erfolg und viele Grüße
Jürgen
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0 # Jakob Jordan 2017-08-21 20:21
Danke für die schnelle Antwort. Habe es leider zu spät gelesen. Ich kann ja mal erzählen:
Ich habe die 10km (meine ersten überhaupt) ohne jegliches Carboloading innerhalb von 57:38 netto absolviert :lol: . Habe am Vorabend nur noch Kokosöl zu mir genommen und auf jegliche Booster die sie dort verteilt haben verzichtet. Der Vorteil den du beschreibst war trotzdem ganz klar da. Ich hatte durchgehend Saft. War ziemlich interessant zu beobachten. Ich war zu Anfang sogar zu konservativ. Das sieht man auch an meiner Leistungskurve: https://www.runtastic.com/de/benutzer/268b9bad-ce93-2ac4-fdde-bfdc9c6f95a4/sportaktivitaeten/5999745bda3113b98273fffe?sharing_token=599974c37fa48d23325fc60b
Bei KM 9.0 war meine Leistungsspitze .Krass fand ich wie sie bei dem Event danach die Zuckergetränke und Bananen an fast jedem Stand verteilt haben...naja...
Also danke nochmal für deine Antwort und mach weiter so!
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