Physiologische Ketose
In dieser Situation wird ein archaischer Prozess reaktiviert, der ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Metabolismus ist, und der zu der Zeit, als Kohlenhydrate noch kein bedeutender Bestandteil der menschlichen Nahrung waren, auch äusserst wichtig war: die Ketose. Die Ketose erst erlaubte die zuverlässige Energieversorgung des Gehirns und spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und insbesondere der Vergrösserung des Gehirns. Ohne Ketose könnten keine Hungerphasen oder Fasten überlebt werden. Seit der Erfindung des Ackerbaus ist dieser Prozess aber zumeist "abgeschaltet", was die Folge der Aufnahme von Kohlenhydraten ist.

Ketose war der Normalzustand
Zur Zeit des Eiszeitjägers war Ketose dagegen der Normalzustand. Ketose bedeutet die Produktion der sogenannten "Ketonkörper" Acetoacetat und beta-Hydroxybutyrat in der Leber aus Acetyl-CoA, was wiederum aus der Lipolyse, also aus den Fettreserven, stammt. In Anbetracht des hohen Energiebedarfs des Gehirns - es verbraucht täglich etwa 600 kcal! - ist klar, wie wichtig seine stabile, gleichmässige Versorgung ist.

Und genau das können die Ketone! 

Sie können die Glukose als Energiequelle nicht nur weitgehend ersetzen, sondern sind ihr aus verschiedenen Gründen sogar überlegen: 
zum einen ist es der höhere Energieinhalt (100 g Glukose liefern 8,7 kg ATP, 100g ß-Hydroxybutyrat dagegen 10,7 kg ATP [3]), zum anderen und vor allem aber ist es die sehr viel stabilere Versorgung, denn die Ketonkörper stammen letztlich aus der Fettverbrennung(Lipolyse), und die Fettreserven sind nahezu unerschöpflich. 

Der Vorteil ist kaum zu überschätzen: anstelle einer Blutzucker-Achterbahn mit Hyper- und Hypoglykämien haben wir in der Ketose eine gleichförmige, kontinuierliche Versorgung des Nervensystems und des Gehirns mit energiereichen Ketonen, die aus den Fettvorräten stammen! Keine Unterzuckerungen mehr, nur geringe Insulinausschüttungen: direkt angeschlossen an die grossen Fettvorräte bedeutet das jetzt eine sehr stabile, gleichmässige Energieversorgung.

 

Weniger freie Radikale

Darüber hinaus haben die Ketone noch weitere, positive Eigenschaften: 
sie verbrennen "sauber", d.h. sie produzieren weniger freie Radikale (ROS = reactive oygen species), sie produzieren mehr Energie (ATP) als Glukose (siehe auch LC und Sport) und liefern mehr Energieoutput bei geringerem Sauerstoffbedarf.

Die Histone-Deacetylase wird durch Ketone gehemmt

Und eine weitere, sehr interessante und wichtige Eigenschaft der Ketone wurde erst im Dezember 2012 publiziert: die Ketone hemmen die Histone-Deacetylase! Das ist in der Tat sehr interessant, denn Hemmer für HDAC sind zur Zeit Forschungsgegenstand quer durch die Pharmaindustrie für Anwendungen in der Psychiatrie und Neurologie, gegen Depressionen und vor allem gegen Krebs, siehe hier.

Kommentare   

0 # Wega 2016-07-22 15:16
Grosses Lob - sehr sehr gut verständlich erklärt!
Diese Seiten kann und werde ich jedem wärmstens empfehlen, der sich gesund und artgerecht :O)
ernähren möchte.
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0 # Joerg 2017-01-29 17:21
Hallo ich ernähre mich weitestgehend LC nur am Wochenende gönne ich mir mal Brötchen.
Meine Vermutung ist das ich nie richtig in Ketose komme
aber in meinem Körper oft eine Glukoneogenese stattfindet.
Das würde doch stark meine Muskelmasse beanspruchen.
Sehe ich das richtig.
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0 # Jürgen Wildhardt 2017-01-29 22:06
Hallo Jörg,
die erhöhte Gluconeogenese findet nur in der Adaptationsphas e statt. Danach ist sie deutlich geringer als zu Kohlenhydratzei ten, der Muskelerhalt in und nach traningsarmen Zeiten ist wesentlich besser - konsequentes LCHF vorausgesetzt..

VG
Jürgen
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0 # Jakob Jordan 2017-08-19 13:06
Hallo Jörg,
danke erstmal für deine Website und die wirklich fantastisch geschriebenen Analysen, Ausführungen und Ratschläge.
Ich verfolge seit 2 Monate LCHF und mir geht es blendend damit.

Da ich mich heute ganz spontan zu einem 10km Lauf angemeldet habe wollte ich fragen ob du Tips zur Vorbereitung am Tag davor und direkt vor dem Lauf hast (sowohl ernährungstechn isch als auch aufwärmtechnisc h). Ich lese überall nur KH, aber das möchte ich nicht machen, das wurde ja von dir wunderbar widerlegt.

Vllt klappt es noch mit einer Antwort, ansonsten wäre deine Meinung interessant für das nächste mal...

Viele Grüße
Jakob
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0 # Jürgen Wildhardt 2017-08-19 23:48
Hallo Jakob,

für Kurzzeitbelastu ngen, und dazu zähle ich alles, was aus den Glykogenvorräte n heraus bestritten werden kann, also auch ein 10k Lauf, der – sagen wir mal - 45 min dauert. Glykogen hast Du aber für etwa 60 – 90 min!

Der große Vorteil von LCHF – nämlich Fettverbrennung von Anfang an, kein Übergang, keine Mauer, kein „Bonking“ - kommt aber erst voll zum Tragen bei Belastungen, die deutlich länger dauern, also z.B. Marathon und alles, was darüber liegt.

Die Empfehlung aus rein sportlicher Sicht lautet also: Carboloading vor dem Event, Training aber im LCHF-Bereich!

Rein gesundheitlich gesehen kann man aber durchaus anderer Meinung sein, wenn man die Nachteile des glykolytischen Abbauwegs vermeiden will. Damit wird man aber nicht unbedingt gewinnen…

Viel Erfolg und viele Grüße
Jürgen
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0 # Jakob Jordan 2017-08-21 20:21
Danke für die schnelle Antwort. Habe es leider zu spät gelesen. Ich kann ja mal erzählen:
Ich habe die 10km (meine ersten überhaupt) ohne jegliches Carboloading innerhalb von 57:38 netto absolviert :lol: . Habe am Vorabend nur noch Kokosöl zu mir genommen und auf jegliche Booster die sie dort verteilt haben verzichtet. Der Vorteil den du beschreibst war trotzdem ganz klar da. Ich hatte durchgehend Saft. War ziemlich interessant zu beobachten. Ich war zu Anfang sogar zu konservativ. Das sieht man auch an meiner Leistungskurve: https://www.runtastic.com/de/benutzer/268b9bad-ce93-2ac4-fdde-bfdc9c6f95a4/sportaktivitaeten/5999745bda3113b98273fffe?sharing_token=599974c37fa48d23325fc60b
Bei KM 9.0 war meine Leistungsspitze .Krass fand ich wie sie bei dem Event danach die Zuckergetränke und Bananen an fast jedem Stand verteilt haben...naja...
Also danke nochmal für deine Antwort und mach weiter so!
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