Das Wichtigste zuerst: 

  • Cholesterin ist lebenswichtig!
  • Der Körper stellt es selbst her, und zwar soviel, wie er braucht, etwa 2 g am Tag. Der sich einstellende Spiegel ist mit der Nahrung so gut wie nicht zu beeinflussen!
  • Verschiedene Studien ergaben, dass hohe Cholesterinspiegel lebensverlängernd wirken! (siehe z.b. hier). Cholesterinsenker senken zwar das Cholesterin: nur stirbt man dann früher mit einem gesunden, niedrigen Cholesterinspiegel...
  • Die Größe der Cholesterin-Partikel ist von entscheidender Bedeutung, LC-Ernährung bewirkt die Erhöhung der Anzahl weicher, großer Partikel, die als ungefährlich gelten.
  • Die LC-Ernährung erhöht das "gute" HDL deutlich
  • Die LC-Ernährung führt zu einer signifikanten Senkung der Triglyceride. Hohe TG werden vor allem durch Kohlenhydrat-Ernährung verursacht. 
  • die Senkung der TG und die Erhöhung von HDL führen zu einer deutlichen Verbesserung des Verhältnisses TG/HDL. Das sollte kleiner als 3,5 sein, i.d.R. werden mit LCHF Werte um 1 erreicht.
  • Die Angabe eines Gesamtcholesterins ohne Angabe von HDL und TG ist als sinnlos anzusehen und besitzt so gut wie keine Aussagekraft.

Zur Einstimmung:
"Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, daß ihre Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist". - Max Planck

Die Fettphobie und ihre Ursache: Ancel Keys und die "Diet-Heart-Hypothesis"

Eine Lowcarb-Highfat-Ernährung ist per Definition und notwendigerweise fettreich. Heutzutage, nämlich in Zeiten einer planmässig lancierten und alles dominierenden Fettphobie, gefolgt von marktüberschwemmenden Lowfat-Produkten ("it's all about money...") ist aber eine fettreiche Ernährung per se höchst verdächtig, daher:

Fettarm ist "in", Fettreich ist "out"!
Diese Fettphobie hat unser Ernährungsbewusstsein vollkommen durchdrungen: wie jeder weiß sollte eine gesundheitsbewusste Ernährung selbstverständlich fettarm sein, und so lauten auch die Empfehlungen der DGE.

Nicht nur, weil Fett fett machen soll: vor allem soll auch der Cholesterinspiegel durch Fettkonsum gesteigert werden, und ein hoher Cholesterinspiegel sei ein bedeutender Risikofaktor für kardiovaskuäre Erkrankungen. Es drohen angeblich Herzinfarkt oder Schlaganfall. Es stellt sich die Frage: ist das wirklich so?

Schauen wir uns nach den Ursachen der Fettphobie um:
die Entstehung eines Dogmas.

Die Fetthypothese ("Diet Heart Hypothesis") hat ihren Ursprung in den 50er Jahren und geht zurück auf den amerikanischen Forscher Ancel Keys. Keys wollte 1952 herausgefunden haben, dass es einen Zusammenhang zwischen Fettkonsum und Atherosklerose gibt. Er lagen hierzu Daten aus 22 Ländern vor, und aus diesen hat er sich dann die 6 Länder herausgesucht, deren Daten zu seiner Hypothese passten! Die beiden folgenden Grafiken zeigen rechts die später (1957) durch Yerushalmy[3 veröffentlichten Originaldaten aller 22 Länder und links die von Keys[2] zur Stützung seiner Hypothese ausgewählten:

Wissenschaftlich gesehen ist das ein Unding: wenn man bestimmte Ergebnisse erhalten möchte, streicht man all die Daten, die den gewünschten "Zusammenhang" stören, die also nicht ins Bild passen. Das nennt man auch "Bad Science". Berücksichtigt man nämlich alle 22 Länder, dann ist es nichts mit der Korrelation. Das ist dann echte Wissenschaft, aber damit wird man eben nicht unbedingt berühmt...

Korrelation ist nicht Kausation
Noch ein Wort zu Begriffen wie "Korrelation", "Zusammenhang" und "Kausalität": Epidemiologische Studien zeigen bestenfalls Korrelationen auf, manchmal sind die sogar statistisch signifikant. Ob diesen Korrelationen dann auch tatsächlich ein naturgesetzlicher Zusammenhang - eine Kausalität - zugrunde liegt, ist damit noch lange nicht gesagt. Das beliebte Beispiel in der Statistik "Die Zunahme der Anzahl Störche in einem Gebiet ist korreliert mit der Anzahl der Geburten" zeigt sehr schön, was damit gemeint ist.

6-Länder-Studie widerlegt
Die Widerlegung seiner 6 Länder Studie durch Yerushalmy[3] hatte Keys nicht gefallen, 1956 organisierte er daher eine Studie zur koronaren Herzkrankheit (CHD = coronary heart disease)  in 7 Ländern (durchgeführt wurde die Studie in den Jahren 1958 - 1964, publiziert ab 1970) , die ein für allemal die Richtigkeit seiner Hypothese beweisen sollte. Anstatt aber die Länder zufällig auszuwählen, wie das bei einer randomisierten Studie üblich und erforderlich ist, hatte Keys die Länder so ausgewählt, dass mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die von ihm gewünschte Korrelation erwartet werden konnte.

Kein Zusammenhang zwischen Fettkonsum und Herzerkrankungen
Dennoch war das Ergebnis mager: es gab keine Korrelation zwischen dem Fettkonsum insgesamt und Herzerkrankungen! Es gab aber eine Korrelation für den Konsum an tierischen Fetten und CHD, und den aber auch nur dann, wenn man die Länder untereinander verglich, es gab aber keine Korrelation innerhalb der Länder. Z.B. war in Ostfinnland CHD fünfmal häufiger als im Westen, und das obwohl sich die Risikofaktoren nicht unterschieden. Nachzulesen bei Ravnskov, siehe Literatur[1], und seit neuestem vor allem bei Nina Teichholz, die in "The Big Fat Surprise" [4] akribisch nachweist, wie dilettantisch diese "Studie" durchgeführt wurde und welch gravierende Fehler dabei gemacht wurden.

Dennoch Glauben gefunden
Solche Ergebnisse sollten immer Anlass sein, keine vorschnellen Schlussfolgerungen zu ziehen und in die Welt hinauszuposaunen, sondern deren Bestätigung  abzuwarten. Keys aber wollte vermutlich berühmt werden: er entschied sich fürs "Posaunen" und stellte den gewünschten Zusammenhang "Fett verursacht Herzerkrankungen" heraus, der bis heute in den Köpfen der Menschen steckt. Seit einem halben Jahrhundert glaubt nahezu jeder an den Zusammenhang "gesättigte Fette -> Cholesterin -> Herzerkrankungen". Und die Grundlage dafür ist eine diletanttisch durchgeführte Studie, die es geschafft hat, in der wissenschaftlichen Literatur bisher über 1 Million mal zitiert zu werden[4].

Alles nur eine "dicke, fette Lüge"
In der Folge wurden viele weitere Studien zu diesem Thema durchgeführt, das alles hat Milliarden gekostet. Das gewünschte Ergebnis wurde nicht erhalten, es gibt keine, wirklich keine einzige Studie, in der es gelungen wäre, diesen Zusammenhang nachzuweisen.

Wir haben es hier tatsächlich mit einer "dicken fetten Lüge" zu tun (Zitat Gary Taubes). Wer sich fragen sollte, wem so etwas nutzt und warum man gezielt die Öffentlichkeit falsch informiert, der schaue sich beispielsweise die Umsätze des US-Pharmakonzerns Pfizer an, die er mit dem Cholesterinsenker 'Lipitor" erzielt, und es wird schlagartig klar, woher das kommt (siehe dazu auch die Fußnote).

Wie gesagt: "It's all about money!". 
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Arbeit von Prof. Yudkin, die 1964 in "The Lancet" erschienen ist: "Levels Of Dietary Sucrose In Patients With Occlusive Atherosclerotic Disease", Lancet,

1964, Jul 4;2(7349):6-8, so gut wie keine Beachtung fand. Yudkin hatte auf die starke Korrelation zwischen Zuckerkonsum und Atherosklerose hingewiesen.

Zur weiteren Vertiefung des Themas "Cholesterin" ist der Wikipedia-Beitrag sehr lesenswert: "Einfluss der Ernährung auf den Cholesterinspiegel", das muss ich hier nicht wiederholen.

Literatur:

1. Uffe Ravnskov "Mythos Cholesterin", Hirzel, 2. Aufl. 2004

2Keys A: "Atherosclerosis: a problem in newer public health", 
J. Mt. Sinai Hosp. N. Y., 1953, 20(2):118-139.

3. Yerushalmy J, Hilleboe HE: "Fat in the diet and mortality from heart disease; a methodologic note", N. Y. State J. Med. 1957, 57:2343-2354

4. Nina Teichholz, "The Big Fat Surprise", Simon & Schuster 2014

Anekdotisch: Wie der Cholesterin-Grenzwert von 200 mg/dl entstand

von Mary Enig

2001 schrieb der Wissenschaftsjournalist Gary Taubes den Artikel "The Soft-Science of Dietary Fat" für die März 2001-Ausgabe von Science. Er hatte alle zu der Zeit verfügbaren Informationen zu den Themen Nahrungsfett und Cholesterin zusammengefasst und hörte auch sich auch die Mitschnitte der 1984er Cholesterin Consensus Conference an.

Er übernahm eine Grafik, die eindeutig zeigte, dass Serum-Cholesterinspiegel von 200 mg/dl bis 240 mg/dl auf jeden Fall im normalen Bereich lagen für den es kein erhöhte Sterblichkeit aufgrund von Herzerkrankungen bei Männern gab, und Werte über 240 mg/dl bei Frauen sogar eine Verringerung des Risikos bedeuteten.

Was Gary Taubes nicht wusste, war, dass es eine politische Entscheidung gab, die an jenem Tag im Dezember 1984 im Flur des NIH-Gebäudes 10 (Mazur Auditorium) getroffen wurde. Die Entscheidung würde dem National Heart Lung and Blood Institute (NHLBI) erlauben, noch eine weitere, noch umfangreichere, langfristige "Studie" durchzuführen. Die NHLBI befand sich mitten in der Entwicklung des "National Cholesterol Education Program", konnte aber keine zusätzlichen Gelder für weitere große Studien wie der MRFIT oder LRC vom Kongress bewilligt bekommen.

Mit einem Grenzwert für Cholesterin am unteren Ende des Normalbereichs (200) würden alle gesunden, normalen Bürger in den Bereich fallen, für den eine Diät erforderlich wäre. Da aber eine Diät niemals dauerhaft Werte von beispielsweise 200 - 260 auf unter 200 senken würde, könnten sie empfehlen, dass alle diese Menschen cholesterinsenkende Medikamenten zu nehmen hätten.

Die drei Köpfe der NHLBI (Cleeman, Lenfant und Rifkin) standen kurz vor Beginn der Cholesterin-Konsensus-Konferenz zusammen im Mazur Auditorium. Sie diskutierten den Cholesterin-Grenzwert der in den "Konsensus Report" aufgenommen werden sollte. Einer sagte zu den beiden anderen, "aber wir können den Wert nicht auf 240 [mg/dl] setzen, er muss bei 200 liegen, oder wir werden nicht genug Teilnehmer für die Studie haben".

Einige von uns von der Universität von Maryland, Department of Chemistry Research Group Lipids standen direkt hinter den dreien und konnten alles genau mithören. Wir sahen einander an und natürlich waren nicht überrascht, als die endgültigen Zahlen herauskamen.

Der kleine Chat war natürlich nicht auf den Bändern enthalten, die Taubes auswertete.

Fußnote:

Der folgende Text ist die Übersetzung des letzten Absatzes aus dem Artikel von Prof. D. S. Goodman "George Lyman Duff memorial lecture. Cholesterol revisited. Molecule, Medicine, and Media", Institut für Humanernährung, Columbia Universität, New York, erschienen in "Arteriosclerosis.1989 Jul-Aug;9(4):430-8", entnommen aus "Mythos Cholesterin" , S- 171, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte, da er unfreiwillig die Interessenlage verdeutlicht:

„Eine letzte Einsicht darf nicht unerwähnt bleiben, nämlich dass die gegenwärtige Cholesterin-Kampagne eine seltene Übereinstimmung der Interessen vieler unterschiedlicher Gruppierungen darstellt. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen, die pharmazeutische Industrie, die Regierung, die Öffentlichkeit — sie alle werden davon profitieren, wenn sie sich bemühen, die Empfehlungen und Richtlinien des Adult-Treatment-Panel-Berichts bekannt  zu machen und umzusetzen. Ärzte werden davon profitieren, weil sie in der Lage sind, ihren Patienten wirksamer zu helfen, und gleichzeitig wird sich ihr Kundenkreis deutlich erweitern, da sie nun medizinische Prävention anbieten können. Die Pharma-Industrie wird vom vergrößerten Markt für cholesterinsenkende Medikamente profitieren, der entsteht, wenn die Richtlinien in allen Teilen des Landes sorgfältig angewandt werden. Die Öffentlichkeit wird von einem Rückgang der koronaren Herzkrankheit und ihrer Risikofaktoren profitieren. Und die Regierung wird von einer besseren Gesundheit ihrer Bürger und den gesunkenen Kosten im Gesundheitswesen profitieren, die sich aus dem Rückgang der koronaren Herzkrankheit und ihrer Risikofaktoren ergeben.

Diese Übereinstimmung der Interessen sollte außerdem zu einer verstärkten Kooperation, ja einer Zusammenarbeit, von Seiten der verschiedenen Gruppierungen führen, etwas, das zum Teil bereits ziemlich erfolgreich praktiziert wird.“