Und was sagt die "Nationale Versorgungsleitlinie zur Therapie des Typ-2 -Diabetes"?

Sehr viel vorsichtiger geht die "Nationale Versorgungsleitlinie", herausgegeben von  Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) von 2013 mit dem heiklen Thema um:
man drückt sich elegant um die Übernahme von Verantwortung! Den Fehler, den die DDG durch so eindeutig falsche Empfehlungen begangen hat, wollte man anscheinend nicht wiederholen, und so werden nur völlig neutrale, sich auf nichts festlegende Formulierungen (S.38) abgegeben, die die Verantwortung vollständig dem Patienten überlassen:

5-10
Die Entscheidung über die Wahl der Kostform sollte individuell getroffen werden, da keine
ausreichenden Studiendaten für eine Empfehlung vorliegen.

Wer diese "individuelle Entscheidung" treffen soll und auf welcher Grundlage, wird leider nicht verraten. Und was die Studien angeht: es stellt sich doch tatsächlich die Frage, wie viele Studien denn noch benötigt werden ( es gibt schon Dutzende, eine kleine Auswahl finden Sie unter den Literaturangaben). Vielleicht sollte man die mal lesen?

Dann gibt es hier auch noch eine Checkliste für die Ernährungsberater, und von denen wird jetzt einiges verlangt, denn die müssen u.a. folgende Frage beantworten können: 

  • Was sollte im Rahmen der Ernährungsberatung regelmäßig anamnestisch abgefragt und erhoben werden?
  • Ist die Ernährung des Patienten gesund und ausgewogen?

Hmm, und woher weiß jetzt der arme Berater, was "gesund und ausgewogen ist", wenn in den "Leitlinien" dazu keine Angaben gemacht werden? 

Es kommt aber noch besser: 

  • Sind die Ernährungsgewohnheiten des Patienten auf seine plasmaglukose-
    senkende Therapie angepasst?

Jetzt ist schon wieder der Berater gefordert, denn die Leitlinie verrät leider nicht, welche Ernährungsform denn die plasmaglukosesenkende Therapie unterstützt. Da kann man doch im Interesse des Patienten nur hoffen, daß die Berater jetzt eifrig Literatur studieren, und z.B. die Publikationen und Bücher von Dr. Nicolai Worm oder Dr. Heilmeyer oder auch diese Seite aufmerksam lesen, denn dann wissen sie, welche Ernährungsform  die "plasmaglukosesenkende Therapie" unterstützt. 

Und dann kommt auch noch das hier:

  • Welche praktischen Empfehlungen sollten Menschen mit Typ-2-Diabetes gegeben werden, um sich gesund und ausgewogen zu ernähren?
  • kein generelles Zuckerverbot, jedoch Vermeiden von großen Mengen an Haushaltszucker, Fruchtzucker, Polyolen bzw. von Getränken, die diese Stoffe enthalten.
  • große Portionen und häufigen Verzehr von fetten Lebensmitteln, z. B. fettes Fleisch, fette Wurstwaren, fetter Käse, fette Backwaren, fette Fertigprodukte, fettes Fast -Food, Sahne, Schokolade, Chips usw. vermeiden.
  • pflanzliche Fette bevorzugen, z. B. Öle, Nüsse, Samen. Regelmäßigen Fischverzehr einplanen. Lebensmittel, die reich an Ballaststoffen sind, in die Ernährung einplanen, z. B. Gemüse, frisches Obst, Vollkorngetreideprodukte
  • die Vielfalt des Lebensmittelangebotes nutzen und genießen
  • So genannte Diabetiker- bzw. Diätlebensmittel sind bei Diabetes weder erforderlich noch nützlich.

Mit dem vorletzten Punkt soll wohl gesagt werden: eigentlich gibt es keine Notwendigkeit für eine Restriktion, vorausgesetzt man verhält sich halbwegs vernünftig. Wirklich zustimmen kann man nur dem Fischverzehr und dem letzten Punkt.

Und zum Schluß der offiziellen Empfehlungen noch die "Recommendations" der "American Diabetes Association":
Von dort bekommt man relativ "fortschrittliches" zu hören: die tägliche KH-Menge solle mindesten 150 g betragen. Das ist für den Diabetiker zwar immer noch das doppelte von dem, was maximal erlaubt sein sollte, aber immerhin. Im Vergleich zu den europäischen Empfehlungen ist das wenig.

Richard D. Feinman schreibt dazu in "DiabetesHealth.com":

 "The loss of control of glucose metabolism is what makes a low carbohydrate diet a good therapeutic approach, and it's why I'm astonished that experts encourage people with diabetes to eat carbohydrates and then "cover" them with insulin".

Denn man mag es drehen und wenden wie man will: in jedem Fall steigert KH-Zufuhr den Blutzucker, bewirkt also präzise das Gegenteil von dem was eigentlich Ziel der Therapie sein sollte[5]!

Übrigens hat sich die Zahl der Diabetiker seit 1980 bis 2016 vervierfacht, gleichzeitig sank der Fettkonsum und stieg der KH-Verbrauch!