Alles gut und schön, funktioniert aber bei mir nicht!
Diese Klage höre ich immer wieder, und bisher war es immer so, dass bestimmte, ganz einfache Dinge übersehen oder falsch eingeschätzt wurden. Manche Fehler sind trivial: wer abnehmen will und glaubt, unter LC könne er gigantische Portionen ungestraft zu sich nehmen, der irrt sich einfach nur.

Kleine Sünden

Sehr wichtig zu wissen: die Unterdrückung der Fettverbrennung hält Tage nach dem Konsum von Kohlenhydraten an, nicht nur für die wenigen paar Stunden nach der Verdauung solange der Insulinspiegel erhöht ist[5]. Wer sich daher in der Abnehmphase immer wieder kleine KH-Sünden erlaubt, muss sich über das Ausbleiben des Erfolgs nicht wundern. Hinzu kommt die dadurch bewirkte Appetitsteigerung, die dann häufig  bewirkt, dass auch noch mehr gegessen wird, als eigentlich erforderlich. 

"Gesunde" Pflanzenöle verwendet?"
Eine weitere Ursache könnte darin liegen, dass die Empfehlung, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFAs), nämlich die üblichen Pflanzenöle, wie Sonnenblumenöl, Maisöl, Weizenkeimöl, Distelöl usw - ausser Olivenöl - nicht mehr zu verwenden, nicht beachtet wurde. Wie in [6] dargelegt, hat der Hauptbestandteil der gängigen Speiseöle, die Linolsäure, Eigenschaften, die die Fettleibigkeit fördern! 
Mit "herzgesunder" Margarine und viel Pflanzenöl, d.h. viel ungesättigten Fettsäuren, stirbt man nicht nur früher, sondern auch noch dicker...

Zuviel Obst gegessen?
Auch ein sehr beliebter Fehler, man muß sich erst daran gewöhnen, dass Obst keineswegs so gesund ist, wie ständig überall behauptet wird. Fast ein Sakrileg, daran zu zweifeln. Fakt ist aber: die heutigen Obstsorten enthalten dermassen viel Zucker, dass man damit mühelos alle LC-Bemühungen killen kann. Noch schlimmer sind natürlich die Fruchtsäfte, die gehen gar nicht!

Daher: Finger weg, zumindest in der Abnehmphase. Ich esse pro Woche einen bis maximal zwei Äpfel, nur die alte Sorte Boskoop, die hat weniger Zucker. Pro Tag nur eine Hälfte. Ungesüsste Beeren gehen auch.

Zuviel Protein
Der sehr viel schwieriger zu erkennende Fehler ist, dass aufgrund der über Jahrzehnte indoktrinierten Angst vor Fett zuviel Protein und zuwenig Fett gegessen wird. Da kann man noch so konsequent auf KH verzichten, solange noch zuviel Protein gegessen wird, kann der Erfolg ausbleiben. Nicht mehr als 15% der täglich aufgenommenen Kalorien sollten Protein sein, für körperlich wenig aktive genügen 10 -12%.

Ich kenne sehr gut die ungläubigen bis entsetzten Mienen, wenn ich sage, dass die weggelassenen Kalorien aus Kohlenhydraten durch Fett ersetzt werden müssen! Das ist der springende Punkt, "Fett ist dein Freund" steht in den Mantras für Abnehmer, und genau so ist das.

Konkretes Beispiel: Steak zum Mittagessen.
Für Menschen mit durchschnittlicher Statur sollte das Steak nicht mehr als etwa 130g wiegen - zur Erinnerung: wir reden von der Abnehmphase! 
Das ist jetzt eher klein und erscheint wenig, aber die fehlenden Kalorien holen wir uns - beispielsweise - mit einer Buttersauce, die so bereitet wird, dass pro Person ungefähr 40g Butter verwendet werden. Danach ist man satt, aber der Insulinspiegel bleibt niedrig und die Ketose wird nicht unterbrochen. Wenn man dann noch bei den Beilagen auf den KH-Gehalt achtet, kann nichts schief gehen. Wem das zu wenig ist, der isst vorher eine noch Rinderbrühe, in der ein ordentliches Stück Butter verrührt ist und hinterher noch etwas 60%igen Käse oder ein Dessert mit Mascarpone und dergleichen. 

Die alte Regel, nur soviel zu essen, bis man keinen Hunger mehr hat, und nicht bis man pappsatt ist, gilt natürlich auch hier. 

Wer trotz dieser Tipps nicht abnimmt, kann mir gerne eine Mail schreiben!

Literatur

1. "Body by Science", D. McGuff, J. Little. McGraw Hill 2009

2. "Carbohydrate restriction improves the feature of Metabolic Syndrome. Metabolic Syndrome may be defined by the response to carbohydrate restriction" , Jeff S. Volek und Richard.D. Feinman, Nutrition & Metabolism, 2005, 2:31 ), Zitat Seite 5.

Referenziert findet man dort auch die Literatur zu den beliebten Themen "Metabolic advantage" oder "A calory is a calory", manchmal auch "Is a calory really a calory?".

3. "Cold acclimation recruits human brown fat and increases nonshivering thermogenesis", Anouk A.J.J. van der Lans et al, : J Clin Invest. 2013;123(8):3395–3403. 

4Dr. Eric Westman "A Low Carbohydrate, Ketogenic Manual"
No Sugar, no Starch Diet, 2013

5. Dr. Jeff Volek und Dr. Stephen Phinney: "The Art and Science of Low Carbohydrate Performance", Beyond Obesity LLC, 2011, Seite 7

6. A. R. Alvheim, B. E. Torstensen, Y. H. Lin, H. H. Lillefosse, E. J. Lock, L. Madsen, L. Froyland, J. R. Hibbeln, and M. K. Malde, “Dietary linoleic acid elevates the endocannabinoids 2-AG and anandamide and promotes weight gain in mice fed a low fat diet” Lipids, vol. 49, no. 1, pp. 59–69, 2014.